Es ist soweit, dein Kind verlässt dein Heim

… und nimmt nicht vielleicht eine Wohnung, nein es zieht gleich auf einen anderen Kontinent.

So geschehen bei uns zuhause 🙂

Lukas, mein Sohn, hat seinen guten Job gekündigt und das vor einer Beförderung. Er hat beschlossen, sich ein Jahr Auszeit zu gönnen und die Welt kennenzulernen.

Ich hab ihm das nicht ausgeredet, sondern sogar unterstützt. Er fragte mich nach meiner Meinung, ich hatte nichts dagegen einzuwenden. Wann, wenn nicht jetzt?

Ich war auch ganz gelassen und ruhig und sehr stolz auf ihn. Ich kenne ihn doch schon 20 Jahre lang und ich weiß, dass er ein sehr gutes Bauchgefühl hat und sehr gut spürt, was gut ist und was nicht.

Also, was soll da dann schon schief gehen?

Als er dann im Flieger saß, sah die Welt plötzlich ganz anders aus. Mir befiel eine Unruhe und ich hätte die ganze Zeit nur weinen können. Ich musste mich immer wieder beruhigen, tief atmen und fühlen. Ich hatte keine Angst, in mir war ein starkes Wissen, dass es ihm gut geht. Aber da war plötzlich so ein Trennungsschmerz, ich war nicht darauf vorbereitet.

Mein süßer Junge, der immer so charmant und fröhlich war, dass er alle um den Finger wickeln konnte, war plötzlich entschwunden. Ich war nicht traurig, irgendwie glücklich und stolz und trotzdem liefen die Tränen.

Wenn Kinder ausziehen

Egal ob sie sich eine neue Wohnung nehmen, oder so wie Lukas in die Welt hinausreisen, es verändert sich etwas.

Jede Familie ist anders, die einen sind sehr viel zusammen, die anderen nicht so viel.

Wir sind nicht diese Familie, die immer alles gemeinsam macht, aber wir haben einen ganz engen Draht zueinander und wir kommen zusammen, wenn es wichtig ist.

Im ersten Moment wusste ich gar nicht, warum ich so reagierte, denn ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder ihren eigenen Weg gehen.

Im Internet habe ich darüber ein paar Berichte gelesen und da stand:

„Wenn Kinder ausziehen, entsteht eine Lücke, die gefüllt werden muss!“

Zuerst denkst du vielleicht noch:

  • Die Kinder gehören außer Haus!
  • Endlich Zeit für mich alleine
  • Keine Kleidung mehr, die da herumliegt
  • Keine Sachen, die einfach im Vorhaus am Boden ihren Platz finden, weil der Weg ins Zimmer so lang ist
  • Keine Anrufe um 5 Uhr früh mit: „Mama, kommst mich holen?“
  • Keine leeren Flaschen auf der Terrasse, die da nach der Party vergessen wurden
  • usw.

Wie kannst du diese Lücken füllen?

Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Zuerst kommt dir das sowieso ganz unwirklich vor und du glaubst, dass dein Kind jeden Moment zur Tür herein schneit und sagt: „Bin schon wieder da!“

Wenn Neues entstehen soll, braucht das immer Zeit.

Bei mir ist die Lücke ja noch nicht so groß, denn ich habe ja noch eine Tochter, mit vielen super, tollen Freunden, die oft unser Wohnzimmersofa belagern, aber Susie spricht auch schon vom Ausziehen, spätestens nächstes Jahr.

Mich hat diese Ansage immer ganz cool gelassen, aber seitdem Lukas nun weg ist, habe ich eine Ahnung davon bekommen, was das überhaupt heißt.

Es ist normal, dass die Kinder die Eltern verlassen und für die Kinder beginnt dadurch ein spannender Lebensabschnitt. Das heißt aber nicht, dass es dich nicht einmal kurzzeitig umhauen darf 🙂

Wenn die Kinder ausziehen, ist ja doch eine wichtige Phase im Leben der Eltern abgeschlossen. Aber: das nächste Drittel beginnt 🙂

  • mehr Zeit für dich
  • mehr Ruhe und Entspannung
  • wieder mehr Zeit für Sport und Hobbies
  • ein, zwei Zimmer mehr für die Bügelwäsche 🙂
  • nein, für ganz andere Dinge, weil Bügelwäsche reduziert sich plötzlich ordentlich

„Jede Ablösung, egal ob von Kindern oder vom Partner, wirft dich zuerst einmal auf dich selbst zurück. Du bleibst zurück, fühlst dich vielleicht einsam und alleine. Das musst du erst bewältigen und dafür darfst du dir ruhig Zeit lassen.“

Ich bin mir nicht sicher, ob das bei mir so zutrifft, ich fühle mich nicht einsam und alleine, da ich immer sehr beschäftigt bin und die Kinder sowieso schon einige Jahre ihren eigenen Weg gehen. Und im Grunde ist das nicht so schlimm – sie ziehen ja nur wo anders hin, sie sind noch immer da.

Du kannst sie spüren, du kannst an ihren Erlebnissen teilhaben, kannst dich mit ihnen freuen und einiges noch lernen.

Vielleicht waren bei mir die Emotionen so da, weil Lukas plötzlich nicht mehr in „greifbarer“ Nähe war?

Wie geht es mir jetzt?

Sehr gut. Als Lukas endlich bei der Familie in Australien angekommen war, wo er hinwollte, fiel die ganze Anspannung von mir ab. Ich bin wieder ruhig und ausgeglichen und trage mein Handy nicht mehr ständig mit mir herum.

Ich weiß, dass er es schafft und dass dies die beste Erfahrung ist, die er machen kann. Er wird sich den Weg für seine Zukunft bereiten und ich bin mir sicher, ganz viel Spaß dabei haben.

Bekanntschaften hat er ja schon gemacht, wie du im Bild sehen kannst 🙂

Und er ist ja nicht aus der Welt, es gibt heute schon so viele Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben. Er meldet sich zwar nicht jeden Tag, er weiß, dass ich mir das nicht erwarte, aber ab und zu macht das Handy dann doch „piep piep“ und eine Message ist da.

Vielleicht sollten wir ja auch viel spontaner sein und das Leben einfach genießen, aber das ist wohl eine andere, langwierigere Geschichte 🙂

„Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.“ (Khalil Gibran)

Vielleicht hast du auch schon Kinder, die ausgezogen sind oder ein Auslandsjahr machen und möchtest mir berichten, wie es dir dabei gegangen ist.

Breite deine Flügel aus

Cornelia

PS: Liebe Mama, ich hab nun zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie es wohl euch ergangen ist, als ich von heute auf morgen mit 19 Jahren ausgezogen bin 🙂

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Du machst jetzt ganz neue Erfahrungen die Du bis heute noch nicht gekannt hast und vielleicht auch oft nicht bei uns verstehen konntest. Du konntest es nicht nachvollziehen. Aber Kindern muss man, so schwer es auch oft ist, weite Flügel geben, dann fliegen sie auch immer wieder zu Dir zurück. Dieses Gefühl der Leere wird Dich immer wieder einmal überfallen, aber das Wissen das es allen gut geht, lässt Dich wieder zur Ruhe kommen.
    So ist das Leben!
    Wir haben ja alle unseren Schutzengel „OMA“ im Himmel der uns alle weltweit beschützt und uns den richtigen Weg zeigt. In Stunden der Verzweiflung hilft sie uns immer wieder!
    Bussi Mama

    1. Ich mache gerne neue Erfahrungen und mit meinen Kindern habe ich bis jetzt fast am meisten lernen dürfen.
      Gewisse Dinge versteht man erst, wenn man selbst Kinder hat, das ist wohl auch gut so, sonst würde man als Teenager wohl zu viel grübeln und kein Risiko eingehen 🙂

      Ich muss nun oft lächeln, wenn ich plötzlich solche Anwandlungen habe, die ich als Jugendliche von euch „Erwachsenen“ nicht verstehen konnte 🙂 Aber wie sagt man so schön? Pupertät ist das, wenn die Eltern plötzlich ganz komisch werden 😉

      Bussi Conny

      1. Ich verstehe auch erst heute meine Eltern, wie sie sich in meinem Alter gefühlt haben. Diese Erfahrung muss jeder einmal machen, wenn man mit Herz und Seele bei seiner Familie ist. Ich hab auch immer gedacht, ich nicht. Ich mach das so und so, aber wenn es soweit ist, sieht alles ganz anders aus.
        Bussi Mama

  2. Hallo Ihr Lieben,
    der Bericht hat mich sehr berührt…auch bei mir ist grad loslassen angesagt,
    es fällt mir sehr schwer…mit mehreren Kindern ist es wohl leichter, aber ich habe nur einen Sohn…der sich nun abgenabelt hat, was auch gut ist…er ist meistens bei seiner
    Freundin und das finde ich sehr schön.
    Es ist jedoch eine heftige Leere entstanden, das macht mich sehr traurig und ich darf
    nun die Lücke füllen, bin grad dabei, dauert aber und ist nicht so einfach wie ich es mir
    vorgestellt habe.

    Lichtvolle Grüsse,
    Ana Shandra‘

    1. Lass dir Zeit – wie ich schon geschrieben habe: Wenn Neues entsteht, braucht es Zeit.
      Du darfst andere Dinge tun, andere Gewohnheiten „antrainieren“, dich mehr mit dir selbst beschäftigen (was nicht immer ganz einfach ist, aber dir ganz viel bringen kann).

      Wenn dich dann dein Sohn besuchen kommt, wirst du dich immer sehr freuen 🙂
      So wie ich mich im Moment immer freue, wenn mein Handy ein SMS von Lukas zeigt und er mir ein Foto zukommen lässt.

      Alles Liebe
      Cornelia

  3. Hallo Cornelia,
    bei mir ist es ja noch nicht soweit, und ich bin gespannt, wie lange sie noch zuhause wohnen werden. Zumindest die eine übt schon kräftig das außer Haus sein und ich kann schon mal üben, dass wir daheim eine weniger sind.
    Aber wenn sie weg sind, ist das noch mal ein ganz anderer Schritt und ich glaube, es macht schon einen Unterschied, ob sie nur in die nächste Stadt oder gleich einen anderen Kontinent ziehen.
    Da kann man wirklich noch mal ganz viel lernen, die Beziehung auch über die Distanz zu erhalten. Aber so wie du von deinen Kindern erzählst, glaube ich dass das kein Problem bei Euch sein dürfte!
    Ich wünsche deinem Sohn viele wichtige und schöne Erfahrungen und dir auch einen guten Schritt in einen neuen Lebensabschnitt!
    LG
    Sybille

    1. Danke Sybille,
      ja es ist eine ganz tolle Übung und eine neue Erfahrung. Was die Sache für mich sehr erleichtert, ist die, dass wir drei (Lukas, Susie und ich) ein sehr starkes Vertrauensverhältnis zueinander haben. Meine Kinder haben mir immer schon ziemlich alles erzählt, manchmal Sachen, wo ich zuerstmal kurz schlucken musste 🙂 hi hi – Ich weiß also, dass sie immer zu mir kommen werden, wenn der Hut brennt oder sie nicht weiter wissen.

      Ich weiß auch, dass sie mich gerne an ihren Erlebnissen teilhaben lassen und sie wissen, dass sie auch mit allem zu mir kommen können. Ich bin keine ängstliche Mama, die die Kinder bremst, sondern eher eine, die sie unterstützt auch manchmal Risikos einzugehen. Da meine Kids das wissen, haben sie auch kein Problem, mit mir bremsliche Situationen zu teilen 🙂

      Das ist sehr beruhigend und deshalb bin ich schon wieder ganz ruhig und vertrauensvoll, dass alles seinen Weg nimmt, wie es sein soll.

      Alles Liebe und ebenso viele tolle Erfahrungen 🙂
      Cornelia

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