Egoisten im Vormarsch

Jeder denkt nur mehr an sich – ist rücksichtslos – undankbar und so ICHbezogen!

 

Das ist heute mein Thema, weil es mich in den letzten 2 Wochen ziemlich heftig begleitet hat.

  • Bin ich ein Egoist, nur weil ich beschlossen habe, gewisse Streitigkeiten nicht mehr an mich heranzulassen?
  • Bin ich ICHbezogen, weil ich beschlossen habe, einige Menschen aus dem Facebook als Freunde zu eliminieren, weil ich gewisse Statusmeldungen nicht mehr lesen mag?
  • Bin ich egoistisch, weil ich Aussagen, die mir weh tun, nicht mehr beachte?

Gut – dann bin ich eben egoistisch und ich stehe dazu!

Warum soll ich mich mit Dingen konfrontieren, die mir nicht gut tun? Viel zu lange habe ich das gemacht, nur um eine brave Ehefrau, brave Tochter, brave Mama, brave Mitarbeiterin usw. zu sein.

AUS – ich mag nicht mehr und es geht mir mit der Entscheidung ganz gut.

Aber auch wenn ich mich dazu entschieden habe, bei gewissen Meinungs-verschiedenheiten nicht mehr mitzumachen, heißt es nicht, dass ich diese Menschen nicht liebe. Ich liebe sie trotzdem, ich achte sie und ich bin ihnen dankbar. Dankbar dafür, dass sie mich erkennen haben lassen, dass ich egoistisch sein darf.

Mein ganzes Leben habe ich meist so gelebt wie andere es wollten, nur um Harmonie zu haben, mein Pflichtbewusstsein zu erfüllen, gut angesehen zu sein und anerkannt zu werden.

Ist das gut?

Vielleicht war es gut. Wahrscheinlich brauchte ich das alles auf meinem Weg zu meinem ICH.

Jetzt stehe ich zu mir und jetzt sage ich auch NEIN – auch wenn Menschen, die mir etwas bedeuten sich vielleicht fühlen, als würde ich sie im Stich lassen.

Das mache ich keinesfalls, nur habe ich erkannt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Ich habe auch erkannt, dass ich Menschen nicht ändern kann. Ich kann nur meine Einstellung dazu verändern.

Ich lebe MEIN Leben, das macht niemand sonst für mich. Ich möchte, dass es MIR gut geht, denn dann kann ich auch für andere etwas Gutes tun.

Ben von Anti-Uni hat heute eine tollen Gastbeitrag von Peter veröffentlicht: „Weil es dein Leben ist“. Peter hat da eine tolle Aussage, die sehr gut zu meinem Thema heute passt:

Es gibt’s nichts Gesünderes und Inspirierenderes als einen Menschen der gut für sich sorgen kann und Verantwortung für sich übernimmt. Das sind Menschen, die für sich einstehen können, lebendige Beziehungen führen und andere mit ihrer Ausstrahlung mitreißen.

Peter trifft es auf den Punkt:

Ist dir eigentlich klar, dass du die einzige Person bist, mit der du jede Minute deines Lebens verbringst? Jeden Tag, jede Nacht.

Für mich ist es immer wieder überraschend, dass ich meistens auf solche Themen „gestoßen“ werde, mit denen ich mich selbst gerade beschäftige. So wie auch auf den Bericht von Stefan Trumpf, einem ganz lieben Bloggerkollegen von mir. Er beschäftigte sich mit der Verantwortung und mit der Frage, ob Kinder für ihre Eltern verantwortlich sind. Wenn es dich interessiert, du kannst ihn hier lesen.

Je nachdem wer den Artikel liest und wie er gelesen wird, wird er Zustimmung oder Ablehnung erhalten. Einige Eltern werden denken: „Egoisten im Vormarsch!“

Was halte ich davon, da ich ja auch Mama bin?

Ich finde ihn gut geschrieben und wir Eltern sollten wirklich darüber nachdenken. Meine Kinder sind nicht für mich verantwortlich, so wie ich nicht für meine Eltern verantwortlich bin. Das heißt ja nicht, dass wir uns nicht gegenseitig helfen, wenn es nötig ist, aber es sollte nicht einfach vorausgesetzt werden.

Manchmal setzen wir unsere Kinder so unter Druck, verlangen etwas, weil wir ja auch etwas gegeben haben und sind beleidigt, wenn sie es nicht tun. Ich habe dazu bereits einen Artikel verfasst, der nächste Woche erscheinen wird.

Es ist nicht immer einfach Erwartungen hinten an zu stellen, aber meiner Meinung nach, die bessere Variante.

Wenn die Liebe frei ist, wenn Kinder nicht ständig glauben, den Eltern verpflichtet zu sein, wenn sie nachhause kommen können, ohne Vorwürfe zu befürchten, dann werden sie auch immer da sein, wenn wir sie brauchen – freiwillig!

Egoismus ist negativ behaftet und natürlich gibt es die verschiedensten Ausprägungen. Ich halte nichts von Oberflächlichkeit oder davon nur an sich zu denken, ohne Rücksicht auf andere. Wenn wir in einer Gemeinschaft leben und arbeiten, ist ein soziales Miteinander sehr wichtig. Geben und Nehmen sollte unbedingt im Einklang sein.

Was ich für wichtig halte ist, dass jeder Mensch die Freiheit hat zu bestimmen, wie er leben möchte, was ihn glücklich macht und was er hören und sehen möchte.

Ich lese schon lange keine Nachrichten mehr und beschließe bewusst nur positive, lehrreiche Filme zu sehen, weil ich mir damit etwas Gutes tun möchte.

Immer funktioniert es nicht ganz 🙁 Nicht immer kann ich mich abgrenzen, nicht immer bin ich davor gefeit, nicht verletzt zu werden. Dann endet das bei mir meist in eine Harnwegsentzündung, die mir dann ganz ordentlich zeigt, wo ich schon wieder zu tief im „Pflichtbewusstsein“ war und mir eine Kränkung zu sehr zu Herzen genommen habe.

Aber wie sagt Jwala Gamper immer so schön?

Ich bin eine Meisterin, die übt 🙂

In diesem Sinne

Breite deine Flügel aus und genieße ganz egoistisch deine Freiheit!!

Cornelia

PS: Ich durfte für Matthias Brückner einen Gastbeitrag schreiben, der auch heute veröffentlicht wurde. Da behaupte ich ganz dreist: „Du bist unehrlich!“ – Tja, wenn es dich interessiert, dann lese hier!

Danke Matthias für die Möglichkeit

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21 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ich bin auch ein EGOist! Wertvoller Beitrag Cornelia.
    Hatte die Tage auch wieder eine Prüfung zu bestehen. Ich werde demnächst Onkel. Mein Bruder und meine Schwägerin fragten mich jetzt, ob ich mich impfen lasse. Sonst könnten sie mich nicht in die Nähe des Babys lassen.

    Wow, was für eine Ansage! Da ich mich nicht mehr impfen lasse, muss ich mich wohl damit abfinden.

    Das habe ich dann auch so gesagt.

    Ich steh zu mir und meinen Werten.

    Danke und Gruß

    Matthias

    1. Weil du dich nicht mehr impfen lässt, darfst du nicht zum Baby? Wow! Da bin ich jetzt sprachlos.
      Aber schön, dass du bei dir bleibst. Ist nicht immer einfach, aber ich merke immer mehr, dass genau das der richtige Weg ist.
      Ich fühle mich dabei bei weitem besser, als wenn ich meine Werte über Bord werfe, nur um für andere gut genug zu sein.
      Alles Liebe
      Cornelia

      1. Ja da stimme ich dir zu. Fühle mich auch nicht im Mangel oder benachteiligt, sondern eher bestärkt und gewachsen. Mehr Selbstvertrauen! Sind alles kleine Prüfungen auf unserem Weg.

        Macht ja auch keinen Sinn jetzt schon darüber betrübt zu sein. Schaun wir mal wenn das kleine da ist. Dann sieht die Welt vielleicht schon etwas anders aus =)

  2. Gut für dich selbst zu sorgen ist alles andere als egoistisch. Auch wenn du eine Mutter/ein Vater oder ein Unternehmer bist. Ich sage ja nicht, dass du anderen etwas wegnehmen sollst. Wenn es dir gut geht, kannst du auch viel besser geben. Und wenn du nur soviel gibst, wie du kannst und willst, dann ist das gutes für-dich-Sorgen. Das ist ein Kreislauf. Ein guter Beitrag, Cornelia, und in unserer Gesellschaft, besonders wohl aus Sicht der Generation vor uns, mutig, das so offen zuzugeben, aber ich finde diese Denkweise auch vollkommen richtig.

    1. Danke liebe Sandra. Das sehe ich auch so. Ich helfe nämlich echt gerne und freue mich, wenn es anderen nützt. Ich freue mich natürlich auch, wenn jemand etwas für mich tut, aber es sollte alles freiwillig und von Herzen kommen dürfen 🙂

    1. Bitte gerne, Ben! Deine Beiträge sind auch immer super. Ich finde es toll, wenn ihr Jugendlichen euch solche Gedanken macht und euren Weg geht. Alles Liebe Cornelia

  3. Suuuper geschrieben. .. wie immer! Danke für deine tollen Beiträge. Du schreibst immer wieder nieder was ich mir so denke, aber niemals so in Worte fassen könnte. Bravo! Mach so weiter! Lg Erika

  4. Hallo Conny, ich bin leider noch nicht soweit. Halte oft mit meinen wahren Gedanken hinterm Berg – sonst kann ich nachts nicht schlafen weil ich darüber nachdenke ob ich den anderen jetzt verletzt habe. Möchte öfters anders handeln tue es aber nicht um die Harmonie zu wahren…Nehme mir aber vor es anders zu machen weil ich merke das es mir oft dabei nicht gut geht und scheitere doch wieder kläglich an dem Gedanken: Das macht den anderen vielleicht traurig. Wäre gerne mehr Egoist schaffe es aber oft nicht und wenn habe ich dann ein schlechtes Gewissen 🙁
    Lg daniela

    1. Liebe Daniela, das kenne ich nur zu gut. Es gab eine Zeit, da habe ich Entscheidungen getroffen, obwohl ich wusste, dass sie mir nicht gut taten, nur um jemand anderen gerecht zu werden. Ich glaube, es gibt kaum jemanden in unserer Generation, der das nicht getan hat. Ich stehe auch erst die letzten 2 Jahre wirklich zu mir selbst und vertrete meine Meinung.

      Ich habe gelernt, dass du den anderen gar nicht hilfst, wenn du deine Wünsche nicht äußerst. Vielleicht gehst du kurzfristig einer Konfrontation aus dem Weg, tust dir aber weh. Gleichzeitig nimmst du deinem Gegenüber aber auch die Möglichkeit etwas mit anderen Augen zu sehen. Wie soll er/sie auch, wenn du ihn/sie nicht darauf aufmerksam machst, dass das für dich nicht gut ist?

      Seitdem ich so ehrlich bin ist auch das Miteinander viel offener geworden, weil jeder weiß, dass ich nichts vorspiele.

      Schritt für Schritt Daniela. Du kannst ja immer höflich bleiben 🙂

      Alles Liebe
      Conny

  5. Hallo Cornelia,
    diese Angst vor Egoismus kommt wohl auch aus unserer christlich geprägten Kultur. Immer für andere da sein, immer nett und lieb sein, nicht aus der Gemeinschaft aussteigen. Aber der wichtigste Punkt ist eben: Wenn ich nur gebe, wie kann ich mich dann selbst auftanken um wirklich geben zu können?
    Ich habe schon viel dazu gelernt, was das Hören auf meine eigenen Bedürfnisse angeht, aber jeden Tag (naja, fast) kommen immer wieder kleine Situationen dazu, die mich fragen „sorgst du jetzt gut genug für dich?“ Und wenn man das längere Zeit überhört, klappt man zwangsläufig irgendwann zusammen.
    LG
    Sybille

    1. Danke Sybille für deinen Beitrag. Deshalb ist es ja so wichtig auf sich zu hören, seine Bedürfnisse zu kennen und auch einmal Nein zu sagen.
      Auch auf die Gefahr hin, dass das Gegenüber böse ist. Ich habe angefangen auf mein Gefühl zu hören – konnte früher nie Nein sagen und habe mich dabei oft am meisten verletzt – aber Hauptsache das Gegenüber war zufrieden. Das ist nun vorbei – manche Menschen können damit noch nicht umgehen, dafür bin ich jedoch sehr ehrlich und man weiß wie man dran ist. LG

    2. Hallo Sybille,

      freut mich sehr das Du es mehr und mehr schaffst auf Deine ganz eigenen Bedürfnisse zu hören.
      Ich habe einmal eine, für mich sehr treffende, Bezeichnung für die hier beschriebene Art des Egoismus gehört: „Egoismus der keiner ist“
      Der in meinen Augen „falsch verstandene Egoismus“ ist welcher den meisten Angst macht. Bedeutet: NUR an sich als Mittelpunkt der Welt zu denken.
      Ein gesunder Egoismus liegt auch der christlich geprägten Kultur so wie allen großen Weltreligionen zu Grunde. Dies hat z.B. auch RalfGabler.de in http://ralfgabler.de/warum-oder-was-du-ueber-egoisten-unbedingt-wissen-solltest/ auch gut beschrieben mit dem Satzt: „“Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, heißt es in einer bekannten spirituellen Schrift. …“
      Doch leider wird meist zu kurz/einfach gesprungenen/gedacht. (z.B. Liebe deinen Nächsten PUNKT)

      ich hoffe Du hast DICH die letzten zwei Jahre nicht überhört und trotzdem nicht die „Gemeinschaft“ verlassen so wie weiter auf DEINE Bedürfnisse gehört.

      Liebe Grüße ChrisD.

    1. Danke Ralf, ja es wird Zeit, dass mehr auf sich selbst zu schauen beginnen.
      Egoist hat noch immer so einen negativen Beigeschmack, dabei ist das nicht so.
      In deinem Artikel beschreibst du das wirklich gut. Du schreibst, dass es noch lange nicht heißt, dass man nun zum Schmarotzer wird. Das sehe ich auch so. Ich bin nicht oberflächlich oder nütze Leute aus, aber es ist ganz wichtig sich einmal auf sich selbst zu besinnen und Kraft in sich selbst zu investieren!
      Dann ist noch immer Zeit genug für das Umfeld, Freunde, Klienten usw. da

      Alles Liebe
      Cornelia

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