Mein roter Faden durch mein Leben

Der rote Faden – oder wie Glaubenssätze dich seit deiner Kindheit begleiten können

In diesem Artikel erzähle ich ganz persönliche Ereignisse aus meiner Kindheit – ich glaube, die kennt kaum jemand – fast niemand hat mich je so kennengelernt und so tief in mich hineingesehen. Wie auch – ich habe das ja selbst lange nicht gemacht.

Als Stefan Trumpf bei mir seinen Gastartikel schrieb, war ich so berührt davon, dass es in mir einiges auslöste.

Ich verspürte den Wunsch das auch zu tun. So offen und ehrlich über mein Leben und meinen Werdegang zu schreiben, denn im Grunde kennt mich kaum einer so wirklich.

Mein Partner Andreas sagt immer zu mir, dass ich so viel Facetten und Seiten hätte, er bräuchte ziemlich lange bis er mich wirklich kennen würde.

Ich habe das nie verstanden. Ich, die nichts Besonderes gemacht hat, die nie um die Welt gereist ist, die nicht mit Freunden um die Häuser zieht, die eigentlich nichts will, außer die eigene Freiheit. (oh dieses Wort ……. das löst für viele Partner Horrorszenarien aus). Andreas weiß inzwischen was ich damit meine 🙂

Erst in den letzten Wochen, als ich ziemlich an Erschöpfung litt und ich viel über meinen Körper und die Abläufe da drinnen lernen durfte, wurde mir einiges klar.

Ich fand den roten Faden durch mein Leben!

der rote Faden_kleinIch bin überhaupt nicht langweilig und ich habe immens viel gemacht und geschafft und erreicht – bin da auch oft sehr über meine Grenzen gegangen – ohne es zu merken.

Wie geht das? Da muss ich dir wohl was von mir erzählen.

Ein paar meiner Glaubenssätze waren von klein auf:

  • Du musst stark sein, Schwäche zeigen ist nicht erlaubt
  • Du bekommst nichts geschenkt und musst dir alles hart erkämpfen
  • Du musst für alle deine Lieben Verantwortung übernehmen und schauen, dass es ihnen gut geht

Ich weiß auch nicht, warum ich diese Programme schon so früh in mir hatte. Meine Eltern saßen sicher nicht beim Gitterbett und leierten mir diese Sätze vor. Sie machten sicher auch kein Hexenritual und sprangen um ein Feuer herum, wo sie dies heraufbeschworen. Ich hatte das einfach in mir – vielleicht hab ich das mitgebracht? Wer weiß?

Ja und wie man denkt, so kommt es. So war mein Leben, obwohl die meisten, die mich schon mein ganzes Leben kennen, das sicher nicht so sehen.

Einige davon würden dir antworten, würdest du nach mir fragen: „Die Conny? Die ist auf die Butterseite gefallen, die schafft alles! Um die brauchen wir uns keine Sorgen machen und Hilfe braucht sie schon gar nicht.“

Es gab Zeiten, da taten mir diese Aussagen sehr weh, ich fühlte mich einfach nicht ernst genommen, ich lief einfach so mit – um die brauchen wir uns nicht kümmern, so ähnlich.

Ich weiß natürlich, dass dies nie so gemeint war, ich zeigte ja auch niemanden, dass ich Hilfe brauchen würde. Ich war viel zu stolz dafür.

Ich möchte dich und alle die mich schon so lange kennen daran teilhaben lassen, wie ich diese Glaubenssätze schon im Kindergarten- und Volksschulalter bedient hatte.

Du musst stark sein, Schwäche zeigen ist nicht erlaubt!

Ich erinnere mich an eine Szene, da war ich im Kindergartenalter. Papa und ich waren auf der Autobahn unterwegs, als das Auto den Geist aufgab. Handys gab es noch nicht, sondern eine Stück entfernt (vielleicht 1 km?) stand diese Notrufsäule. Wir mussten also dorthin spazieren. Papa fragte mich, ob er mich auf die Schulter nehmen sollte, was ich ganz stolz verneinte. Ich weiß noch genau was ich dachte: „Ja gerne, aber was würden die Leute denken, die da vorbeifahren, wenn so ein großes Mädchen auf der Schulter sitzt“.

Meine Füße taten mit der Zeit weh und als wir endlich bei diesem Telefon waren, war ich schon sehr müde. Jetzt kam aber noch der ganze Rückweg und am liebsten hätte ich Papa gefragt, ob er mich doch auf die Schulter nehmen würde. Ich traute mich nicht. Was würde er von mir denken, wenn ich jetzt das fragen würde, obwohl ich vorher nein gesagt habe? Diese Schwäche konnte ich einfach nicht zugeben.

Erst als ich selbst Kinder hatte, wurde mir bewusst, dass er sich gar nichts dabei gedacht hätte. Er hätte mich einfach auf seine starken Schulter gehoben und ich wäre da oben gesessen. Und die Autofahrer? Die wäre das auch absolut schnuppe gewesen.

Es gab noch viele solcher Erlebnisse in meinem Leben, wo ich nicht über meinen Schatten springen konnte!

Du bekommst nichts geschenkt und musst dir alles hart erkämpfen!

In der Volksschule gab es zur Adventzeit einen Adventskalender und die Lehrerin sagte, dass die braven Kinder die Türchen öffnen durften.

Obwohl ich in der Pause mich nicht vom Sessel rührte, meine Jause ganz brav aß, das Geschirrtuch schön zusammenfaltete und mir nicht genehmigte, mit den anderen Kindern in der Klasse herumzulaufen, durfte nicht ich das Türchen öffnen. Ich kam erst irgendwann dran, da waren schon alle Kinder, die bei weitem nicht so brav waren (meiner Meinung nach) an der Reihe.

Das zog sich dann so fort, ich strengte mich an, aber nicht ich, sondern die anderen kamen dran oder es wurde einfach darauf vergessen, dass man mir was versprochen hat. Es dauerte immer etwas länger und ich musste sehr viel Energie aufwenden, damit ich zu dem kam, was ich wollte.

Du musst für all deine Lieben Verantwortung übernehmen und schauen, dass es ihnen gut geht.

Eines Tages war ich wieder einmal mit meinem Papa unterwegs. So oft kam das nicht vor, vielleicht blieben mir deshalb diese Ereignisse so in Erinnerung. Wir waren bei irgendeinem Treffen verschiedener Unternehmer (wie hatten einen Betrieb zuhause). Es wurde alles mögliche besprochen und Papa stellte mich als seine Tochter vor, was mich unheimlich stolz machte. Ich durfte bei so einer wichtigen Besprechung dabei sein!

Dann kam das Mittagessen und Papa flüsterte mir zu, dass er schon so einen großen Hunger hätte, deshalb würde er nun ein Wienerschnitzel bestellen, das war in der Regel immer groß genug. Ich bestellte ein Bernerwürstel mit Pommes. Seine Portion kam und die war ziemlich klein, meine dafür viel größer.

Das ganze Essen über hielt ich mich zurück, aß ganz langsam, obwohl ich auch starken Hunger hatte und tat nach der Hälfte so, als ob ich nicht mehr könne. Mein armer Papa konnte ja nie und nimmer mit seiner kleinen Portion satt werden. Also aß er dann meine restliche Portion weg und ich war zwar noch hungrig, aber zufrieden.

Niemand hat mir gesagt, dass ich das tun soll und hätte Papa gewusst, dass ich gar nicht satt war, hätte er das sicher nicht gegessen.

Die Erkenntnis

Ich habe mich die letzten Jahre sehr mit mir beschäftigt, aber erst seit den letzten drei Wochen sehe ich einen roten Faden durch mein Leben und durch die Geschehnisse, die da so waren und die mir vieles schwer machten. Erst jetzt kann ich es aber auch annehmen, dass es schwer war und dass mich alles sehr gefordert hat.

Es hat seine Spuren hinterlassen aber mich auch wirklich wachsen lassen. Ich bin für alles sehr dankbar und ich gebe niemanden die Schuld dafür, was alles passiert ist und mit was ich herum kämpfen musste. Ich kenne ja nun die Gesetze der Anziehung und ich weiß auch, dass ich mir das alles selbst ausgesucht habe.

Vielleicht um zu lernen schwach sein zu dürfen?

Vielleicht um zu lernen Nein zu sagen oder egoistisch zu sein?

Ich habe es gelernt und damit vor einigen Monaten Menschen, die mir sehr viel bedeuten, auch verletzt. Es tut mir aber nicht leid, denn ich war immer für sie da und ich bin es auch noch immer, wenn ich gebraucht werde. Aber in der Zwischenzeit schaue ich mir alles sehr genau an und was nicht mein Thema ist, übernehme ich auch nicht mehr. Jeder darf selbst seine Aufgaben lernen und daraus wachsen.

Ich kann nur sagen: Ich bin sehr glücklich mit meinen Erkenntnissen und ich danke allen, die da mitgewirkt haben, die mir Steine in den Weg gelegt haben, die mich zeitweise ausgesaugt haben und die mir auch stets die volle Verantwortung aufgebürdet haben, obwohl es nicht mir gehört hätte.

Es war ein Weg, ein Weg zu mir selbst! Im Moment bin ich noch sehr erschöpft und darf das laut sagen: „He ihr alle, zur Zeit bin ich müde und ich bin schwach und ich akzeptiere das jetzt!

  • Ich muss nicht immer stark sein!
  • Ich darf auch etwas geschenkt bekommen und das ganz ohne Anstrengung
  • und ich brauche in erster Linie nur für mich die Verantwortung übernehmen!

Ich lade dich ein über Erlebnisse und Ereignisse in deiner Kindheit nachzudenken. Was hat dich geprägt und wie hat es dich geprägt. Erkennst du den roten Faden, der dich durch dein Leben begleitet? Kannst du einiges gehen lassen oder brauchst du das noch?

Alles Liebe

Cornelia

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10 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Cornelia,
    das ist doch mal wieder ein Beispiel dafür, dass zur Zeit sehr viel mit uns passiert. Gerade heute morgen hatte ich eine ähnliche Erkenntnis über mein Leben, und vorhin saß ich auf der Bank und habe darüber nachgedacht. Auch, dass ich dazu unbedingt einen Artikel schreiben muss 😉
    Ich hatte mich einfach gefragt, warum ich immer alles gebe und andere nicht. Und plötzlich fiel mir ein, dass ich da einfach ein Familienmuster übernommen habe: Du musst für die, die dir wichtig sind, da sein. Egal, wie es dir selbst geht. Als mir das klar wurde mit seinen ganzen Konsequenzen, die sich für mich daraus ergeben hatten, kam es mir vor, als spürte ich zum ersten Mal meinen Körper.
    Ich werde da noch etwas drüber nachdenken, um die ganzen Zusammenhänge zu erkennen, aber dass du jetzt über genau dieses Thema schreibst (und es quasi das erste ist, was ich in meinem gerade aufgeklappten Laptop sehe) finde ich schon sehr erstaunlich!
    Erhol dich gut!
    LG
    Sybille

    1. Das freut mich sehr, Sybille! Mir ist es auch so gegangen. Ich saß im Garten in der Sonne und dachte darüber nach, warum alles so war, wie es war und plötzlich sah ich das Ganze so klar vor mir. Danach war alles ganz leicht, ich war froh und und auch meine Gesundheit verbesserte sich schlagartig. Deshalb musste ich darüber schreiben 🙂
      Ich freue mich auf deinen Artikel 🙂

      Alles Liebe
      Cornelia

  2. „Die Hölle auf Erden ist überall dort, wo man meint, sich das Leben verdienen zu müssen – und der Himmel ist dort, wo man sich mit dem Leben beschenken läßt“

    Jörg Zink

    lg Anna

  3. Hallo Conny, weißt du ich finde die Kindheit wird einfach überbewertet. Warum suchen wir immer dort Lösungen für unsere Probleme von heute? wie lange sind wir Kind – wie lange schon „erwachsen“? Meine Kindheit war geprägt von Hänseleien darüber das ich so „fett“ war – das ist grausam. Sollte ich jetzt dauernd weinen und sagen – keiner hat mich verstanden, mir geholfen, mich geliebt? Ich bin so arm? Es hilft ja nix. Alles ist wie es ist. Sicher dreht sich mein Leben oder mein denken immer darum das ich zu dick bin aber was soll ich jetzt daraus machen? Mein roter Faden IST das Essen? Es gibt einfach verschiedene Phasen im leben und man muss einfach das Beste daraus mitnehmen… Sonst wird man nie mehr fertig mit dem analysieren. Warum wieso weshalb, wenn ich heute sage so ist es weil es so war, ist es morgen so weil es halt so war. Verstehst du mich? Hauptsache man ist glücklich oder? Auch wenn man oft falsche Entscheidungen trifft die man z.B. 10 Jahre später nicht mehr verstehen kann… Finde ich Lg daniela

    1. Liebe Daniela, meine Aufforderung über den roten Faden nachzudenken, soll nicht heißen, die Kindheit zu bewerten oder darüber zu jammern. Du hast recht, was war das war und es hat überhaupt keinen Sinn in der Vergangenheit verhaftet zu sein. Ich war in meiner Hauptschulzeit auch immer die „Dicke mit den X-Hax’n“ obwohl ich eigentlich gar nie so „über-fett“ war. Ich würde nicht sagen, dass da dann der rote Faden unbedingt das Essen ist 🙂

      Der rote Faden wäre dann, bei mir z.B., dass man sich selbst immer wieder in Situationen bzw Gedanken bringt, wo diese alten Verletzungen Auswirkungen haben. Z.B bei mir, dass ich mich nie hübsch genug empfand, dass ich mich lange nicht traute irgendwo zu „erscheinen“ – ja nicht auffallen, es könnte dann ja jemand über mich lachen. Ich hatte u.B lange Jahre nur Schuhe mit ganz leisen Sohlen an und schlich so dahin 🙂 Usw…

      Du kennst mich und du würdest sicher nicht sagen, dass ich unansehnlich oder dick wäre, trotzdem ist das noch immer Thema in MEINEM Kopf!

      Als ich das alles entdeckt habe, so ganz bewusst, da wurden mir plötzlich die Zusammenhänge klar und ich konnte darüber lächeln und ich kann nun sogar dankbar dafür sein. So wie es war, so war es und es hatte einen Zweck!!

      Beim roten Faden geht es eigentlich nur darum, die Glaubenssätze zu erkennen und sie gehen zu lassen, damit eben die Kindheit sich nicht immer im Hier und Jetzt bemerkbar macht und wir unsere Themen vielleicht auch noch unbewusst an unsere Kinder weitergeben.

      Alles Liebe
      Conny

      1. Hallo Conny, du Hübsche du brauchst dich echt nicht „verstecken“ für mich bist immer meine bestaussehenste Cousine 🙂 aber da ist es wieder: Jeder hat sein Packerl zum Tragen 🙂

  4. Liebe Cornelia,

    ein wunderschön mutiger Beitrag in dem du so viel von dir persönlich zeigst. Ich finde das sehr mutig und gleichzeitig sehr wertvoll – denn meistens lerne ich aus den persönlichen Erfahrungen anderer Menschen…

    Es wird tatsächlich Zeit, dass wir uns die Glaubensmuster bewusst machen, die wir tief in unserem Inneren tragen und sie über Bord werfen – damit wir unser Leben auf neue Weise erfahren können.

    Alles Liebe für dich,
    Lea

    1. Danke Lea, ja das finde ich auch. Du trägst mit deinem Blog ja auch sehr viel dazu bei. Es macht wunderbar frei, diese Dinge zu erkennen und gehen zu lassen!

      Alles Liebe Cornelia

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